Die Harfe – ein Urbild

Die Harfe ist eins der ursprünglichsten Instrumente der Menschheit. Durch die Biegung eines Holzes entsteht eine Spannung, die in den verbindenden Saiten aufgenommen wird. Werden diese Saiten durch eine „Aktion“ impulsiert, so beginnen diese rhythmisch hin und her zu schwingen, je höher die Spannung, umso höher, je niedriger die Spannung umso niedriger der klingende Ton.

Der Künstler hat die Fähigkeit, auf diesen gespannten Saiten Musik hervor zaubern zu können. So kann dieses Instrument ein Bild darstellen für das Leben selber, das in Spannungen verläuft, auf denen der Mensch seine eigene Lebensmelodie zu spielen versucht, auf dem Weg zum „Lebenskünstler“.

Instrumente haben eine Art Zauberkraft, die sogar auf uns Menschen, ohne das dies uns gleich bewusst wird, tief wirksam ist. So rief zum Beispiel König Saul den jungen Harfenspieler David immer dann, wenn er sich vergaß und einen Tobsuchtsanfall bekam. Nur die Kunst des Harfenspiels konnte ihn wieder „zu sich“ bringen. Die Imagonharfe symbolisiert diese Kunst selber, die wir lernen wollen, um „zu uns zu kommen“.

Nicht umsonst sieht man in der Kunst allgemein die Wiege der menschlichen Kultur überhaupt. Kultur ist ein absolut originärer Vorgang, dieser lässt sich nicht planen, nicht befehlen, so wie man Intuition, Initiative oder Kreativität nicht planen und befehlen kann. Kultur ist immer ein Phänomen der Begegnung, ein Phänomen der Spannung zwischen Polaritäten, wie ein Kind zwischen Mann und Frau.

Diese Kultur lebt nur so lange, wie die Saiten zwischen den Seiten bespielt werden, impulsiert werden durch die Initiativkraft des schöpferischen Menschen. So kann man von einer höchsten Kunst, der sozialen Kunst sprechen, Kultur an sich entstehen lassen zu können.

Das Instrument hierfür sind wir selber, „Ich“ begabte Wesen, die in der Kunst der Begegnung, im Spannungsfeld von Gut und Böse menschliche Kultur entstehen lassen können, solange wir lernfähig sind. Diese Kultur vergeht, wenn wir das Lernen selber verlernen.

So ist das Lernen, in der Begegnung zu lernen, oder man kann auch sagen, zu lernen, im richtigen Augenblick auf die richtige Frage kommen zu können, die eigentliche Kunst, um die es im Werden der Freien Schule Glonntal besonders geht und um die es wohl in unserer Gegenwart hauptsächlich geht.

 

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